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Kommen Tiere in den Himmel?

Lesedauer etwa 6 Minuten

Ein Gespräch mit P. Dominikus Kraschl OFM

Lieber P. Dominikus, kommen Tiere eigentlich in den Himmel?

P. Dominikus: In letzter Zeit mehren sich theologische Stimmen, die diese Frage vorsichtig bis entschieden bejahen. Dazu gehören nicht nur Tierfreunde, die sich einen Himmel ohne ihr geliebtes Haustier nicht vorstellen können. Dazu gehören auch, um exemplarisch zwei Namen zu nennen, akademische Theologen wie etwa der Linzer Moraltheologe und Umweltethiker Michael Rosenberger oder der deutsche Tiertheologe Gregor Taxacher (vgl. ders., Das Seufzen der Kreaturen. Zur theologischen Kritik der reinen Natur, Regensburg 2025).

Was könnte für einen Himmel voller Tiere sprechen?

P. Dominikus: Befürworter verweisen gerne auf eine Stelle aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, der zufolge die ganze Schöpfung seufzt, bis sie von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit wird (Röm 8,21f). Ferner findet sich beim Propheten Jesaja eine utopische Friedensvision, der zufolge Wolf und Lamm friedlich zusammenleben, Löwen Stroh fressen und Kinder gefahrlos mit Giftschlangen spielen (Jes 11,6-9).

Schließlich wird argumentiert: Ein Himmel ohne Tiere sei kein Himmel. Die Tiere gehörten zu unserer Lebensgemeinschaft, weshalb ein Himmel ohne Tiere kein Ort vollendeten Lebens und Liebens sei. Bisweilen verweist man dabei auf Martin Luther, der in seinen Tischreden gesagt habe, sein Hund Tölpel werde mit ihm im Himmel sein – womit er wohl auf dessen ungeteilte Treue anspielte. Wenn wir uns fragen, ob Tiere in den Himmel kommen, so sollten wir uns zuerst fragen, was die christliche Lehre mit der Rede vom Himmel eigentlich meint.

Was meinen Theologen, wenn sie vom Himmel sprechen?

P. Dominikus: Theologisch bezeichnet die Rede vom Himmel die unverlierbare, vollendete, freudvollste Gemeinschaft mit dem dreipersonalen Gott. Einer solchen Gemeinschaft sind nur Personen fähig, d. h. mit Vernunft, Freiheit und Liebesfähigkeit begabte Wesen. Nun sind Tiere aber keine Personen, was gegen die Auffassung spricht, sie könnten in den Himmel kommen.

Damit wird nicht in Abrede gestellt, dass unsere Erfahrungen mit Tieren ein Teil unserer Lebensgeschichte sind. Als solche werden wir sie mit dem Tod auch nicht einfach abstreifen; vielmehr werden wir mit unseren individuellen Lebensgeschichten vollendet werden. Unsere guten Erfahrungen mit Tieren können im Licht des Glaubens so etwas wie ein Gleichnis des Himmels sein. Sie werden einst zur vollendeten Gestalt unseres Lebens gehören.

An dieser Stelle eine kleine Erinnerung: In einer Runde von Philosophen und Theologen diskutierten wir die Frage der leiblichen Auferstehung. In diesem Zusammenhang meinte ein Philosoph, leibliche Auferstehung schließe für ihn mit ein, dass sein ehrwürdiger Lehnstuhl mit ihm in den Himmel gehe. Als ich einem Theologen später von dieser in meinen Augen doch allzu anthropomorphen Vorstellung von Himmel erzählte, meinte dieser humorvoll: «Nun ja, warum nicht die beseligende Anschauung Gottes im Lehnstuhl?» Worauf ich hinzufügte: «Genau, und den geliebten Hund zu Füßen könnte man ja nebenbei auch noch streicheln!»

Was könnte gegen einen Himmel voller Tiere sprechen?

P. Dominikus: Ja, mir kommt über den oben erwähnten Gedanken hinaus eine Reihe von Einwänden oder vorsichtiger formuliert Bedenken in den Sinn:

a) Bei Tieren, die in den Himmel kommen, scheinen Befürworter vor allem an liebgewonnene Haustiere, nicht aber an Lebewesen wie Blattläuse, Gewürm oder Kakerlaken zu denken. Lässt sich eine nicht-willkürliche Grenze ziehen zwischen himmelsfähigen Tieren und solchen, die es nicht sind? Und macht es überhaupt Sinn, von Tierarten losgelöst von ihrer natürlichen Umwelt und ihrem natürlichen Verhalten zu sprechen? Wenn ein Tiger nicht mehr jagt, frisst, schläft und sich fortpflanzt, haben wir es dann überhaupt noch mit einem Tiger zu tun? Gibt es im Himmel ein Meer für Quallen und andere Meerestiere?

b) Wir haben gesehen: Himmel bedeutet wesentlich Vollendung. Aber lässt sich einsichtig machen, ein Tier wie etwa ein Frosch oder die von ihm gefressene Fliege wäre überzeitlicher Vollendung fähig? Es ist auch schwer vorstellbar, wie der Himmel von Billionen und Aberbillionen von Einzellern und anderen Kleintierchen bewohnt sein soll, die allenfalls ein dumpfes, fast nicht vorhandenes Bewusstsein aufweisen. Und selbst höhere Säugetiere verfügen, wenn überhaupt, nur um ein rudimentäres Bewusstsein ihrer selbst.

c) Die Berufung auf die oben erwähnte Stelle im Römerbrief ist ebenfalls problematisch: Paulus spricht von der ganzen Schöpfung. Sie umfasst aber nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen, Atome, Sterne und Artefakte wie Wolkenkratzer oder U-Boote. Kommen sie auch in den Himmel? Die Befreiung bezieht er zudem auf die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes: die Schöpfung soll offenbar im Hinblick auf die Kinder Gottes befreit werden.

d) Paulus lehrt an anderer Stelle, dass die Gestalt dieser Welt vergeht (1 Kor 7,31). Wenn die Ewigkeit mehr als nur eine Verewigung des Zeitlichen sein soll, dann sind wohl nicht alle Gestalten und Arten von Geschöpfen für die Ewigkeit bestimmt. Ein «eschatologischer Maximalismus», dem zufolge sich alle Geschöpfe in der Ewigkeit wiederfinden, lässt sich letztlich nicht durchhalten.

e) Gemäß kirchlicher Lehre besitzt nur der Mensch, der Gottes Ebenbild ist, eine unmittelbar geschaffene, geistig-vernünftige, nicht aus Teilen zusammengesetzte und daher un-teilbare, un-zerstörbare, un-sterbliche Seele (KKK Nr. 336). (Christliche Denker wie Thomas von Aquin sprachen Tieren im Gefolge von Aristoteles eine vegetative oder animalische Seele zu, die vom Körper abhängig und daher sterblich ist. Unter einer solchen Seele verstanden sie ein Bündel von Vermögen. Im Fall der vegetativen Seele etwa der Vermögen der Ernährung, des Wachstums und der Fortpflanzung etc.)

f) Haben Tiere keine unsterbliche Seele, so ist bereits die bloße Möglichkeit einer individuellen Auferweckung von Tieren fraglich. Denn: Gott könnte anstelle eines verstorbenen Tieres im Himmel zwar ein neues Tier erschaffen. Aber wäre es ein- und dasselbe Tier? Die bloße Ähnlichkeit körperlicher (oder psychischer) Merkmale reicht nicht hin, um eine echte Identität zwischen dem verstorbenem und dem neu geschaffenen Tier zu begründen. Abgesehen davon dürfte der Körper von auferweckten Tieren, die nicht mehr sterben können und kein natürliches Verhalten (wie fressen, verdauen, schlafen, kopulieren, jagen etc.) mehr aufweisen, gegenüber dem Körper von irdischen Tieren vergleichsweise unähnlich sein. (Anders ist es beim Menschen: Seine unsterbliche Seele begründet die Kontinuität der menschlichen Person im Diesseits und Jenseits).

g) Und last but not least: Nach der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils ist der Mensch das einzige Geschöpf [auf Erden], das Gott um seiner selbst willen gewollt hat (GS 24,3). Folgt daraus nicht, dass Gott die Tiere, so hilfreich, nützlich und wertvoll sie sein mögen, letztlich um des Menschen willen geschaffen hat?

Was lehren die Meisterdenker und Kirchenlehrer zum Thema?

P. Dominikus: Die Meisterdenker der Kirche von Augustinus über Thomas von Aquin, Hans Urs von Balthasar bis hin zu Papst Benedikt XVI. verwarfen die Vorstellung eines Himmels voller Tiere. In der Tat: Meint Himmel vollendete Liebesgemeinschaft mit dem Gott, der die freudvollste Liebe ist, so ist eigentlich nicht zu sehen, was es bedeuten könnte, dass Tiere in den Himmel kommen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Prof. DDr. habil. Dominikus Kraschl OFM lehrt Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz und am Internationalen Theologischen Institut Trumau

 

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