Durch einen Zufall bei den Franziskanern gelandet?
Interview mit P. Dominikus Kraschl OFM. In: Newsletter der Pfarre Küsnacht-Erlenbach, veröffentlicht am 29. August 2019, https://www.kath-kuesnacht-erlenbach.ch/ein-weihbischof-zu-gast-in-kuesnacht/

Sie gehören dem Franziskanerorden an. Warum haben Sie genau diese Gemeinschaft gewählt?
P. Dominikus Kraschl OFM: Das hat sich so ergeben: Als ich nach der Matura mit dem Theologiestudium anfing, hatte ich eine etwaige Ordens- oder Priesterberufung noch nicht im Blick. Damals fragte mich ein alter Freund, ob ich nicht Lust und Zeit hätte, mit ihm ein paar Tage in einem Kloster zu verbringen. Die Frage war nun: Wohin sich wenden?
Mein erster Gedanke war, im Benediktinerstift St. Peter in Salzburg anzurufen. Dass das Stift im Telefonbuch nicht unter „B“ wie Benediktiner, sondern „S“ wie St. Peter zu finden war, wusste ich damals nicht. Mein zweiter Gedanke war: Man könnte es einmal mit „F“ wie Franziskaner versuchen. Diesmal wurde ich fündig. Nachdem diese Tage für mich eine Zeit grosser Gnade waren, kam ich immer wieder für ein paar Tage, bis ich mich schliesslich entschied, ganz zu bleiben. Ich überlegte damals, mir andere Ordensgemeinschaften anzusehen, kam aber schnell zum Schluss, dass ich bei den Franziskanern im Grunde alles fand, was ich suchte. Und so entschied ich mich, am Ort meiner ersten Liebe zu bleiben.
Sie sind seit 2018 Professor für Philosophie und Philosophiegeschichte an der Theologischen Hochschule in Chur. Inwieweit können junge Theologen und Theologinnen von diesem Fach profitieren?
P. Kraschl: Sie können auf verschiedenen Ebenen profitieren! Das Fach Philosophie führt zum einen in die Kunst des Argumentierens ein. Zum anderen vermittelt es weltanschauliche Kompetenz. Es geht darum zu lernen, welche Antworten auf die grossen Fragen der Menschheit zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Kontexten gegeben wurden. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Denktraditionen und Weltanschauungen trägt nicht nur zum besseren Verständnis der eigenen, christlichen Weltanschauung bei. Sie bildet auch eine wichtige Grundlage für den weltanschaulichen Dialog und das seelsorgliche Gespräch.
Vor Chur lehrten Sie in Münster Fundamentaltheologie. Was unterscheidet die beiden Studienorte?
P. Kraschl: Mit seinen etwa 45’000 Studierenden darf man Münster als richtige Studentenstadt bezeichnen, während man das von Chur so nicht sagen kann. Was das Studium der Theologie anbelangt, so ist zu sagen, dass Münster mit über 2’000 Studierenden die weitaus grösste deutsche Theologische Fakultät darstellt, während Chur ein vergleichsweise kleiner, dafür aber familiärer und in das Leben der Diözese gut eingebundener Ausbildungsort ist. Beide Studienorte haben aus meiner Sicht, gerade in ihrer Unterschiedlichkeit, ihren Charme.
Papst Franziskus hat ja nicht zufällig den Namen Ihres Ordensgründers gewählt. Hat das für Sie eine besondere Bedeutung?
P. Kraschl: Wenn ein Jesuitenpapst sich Franziskus nennt, bringt das eine grosse Wertschätzung des Heiligen Franziskus und des franziskanischen Charismas zum Ausdruck. Das freut mich natürlich. Dass es für mich persönlich eine besondere Bedeutung hätte, könnte ich jedoch nicht sagen.
Sie sind ja viel in den Pfarreien zur Aushilfe, auch bei uns hier in Küsnacht. Welchen Eindruck haben Sie vom kirchlichen Leben vor Ort?
P. Kraschl: Küsnacht ist nach meinem Eindruck eine sehr lebendige Gemeinde! Der Gottesdienstbesuch ist gut, alle Altersgruppen sind vertreten; soweit ich weiss, besteht eine intensive Kinder- und Jugendarbeit. Die Verantwortlichen scheinen mir sehr engagiert und die Abläufe gut organisiert zu sein. Ich bin positiv beeindruckt!
Herzlichen Dank für das Interview!

