Die wahren Schätze der Kirche: das Sakrament der Versöhnung

Die wahren Schätze der Kirche:
das Sakrament der Versöhnung
Die kostbarsten Schätze der Kirche finden sich nicht in den Vatikanischen Museen. Es sind überhaupt keine Kunstschätze, sondern geistliche Schätze! Im Neuen Testament lesen wir: „Er, der reich war, wurde aus Liebe zu uns arm, um uns durch seine Armut reich zu machen“ (2 Kor 8,9). Die Rede ist hier von Jesus Christus. In ihm und dem, was er uns hinterlassen hat, erblickt die Kirche ihren ganzen Reichtum.
Die Evangelien bezeugen, dass Jesus von Nazareth eine Reihe von menschlich gesehen völlig verrückten Dingen getan hat; Dinge, die geradezu gotteslästerlich wären, wenn sie sich ein Mensch einfach so herausnehmen würde. So hat Jesus etwa beansprucht, in einem einzigartigen Verhältnis zu Gott zu stehen: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Mt 11,27).
Darüber hinaus beanspruchte Jesus unter anderem auch die Vollmacht, Sünden vergeben zu können (vgl. z. B. Mk 2,5; Lk 7,48; Joh 8,11). Das ist provozierend, denn nach alttestamentlichem Verständnis kommt es allein Gott zu, Sünden zu vergeben. Es verwundert deshalb nicht, dass Jesus mit dieser Praxis das Unverständnis und den Zorn seiner Zeitgenossen auf sich zog.
Damit nicht genug. Die Evangelien bezeugen, dass Jesus auch seinen Aposteln die Vollmacht erteilte, Sünden zu vergeben (vgl. Mt 18,18; Joh 20,23). Daraus wiederum entwickelte sich das Bußsakrament in der Form, wie wir es heute kennen. Wenn Priester also Sünden vergeben, dann berufen sie sich nicht nur auf die Kirche, sondern auf die Autorisierung durch Jesus, ihren Herrn und Meister.
Als Seelsorger wird einem immer wieder die Frage gestellt: Warum beichten gehen? Warum vor einem Menschen, mag er auch Priester sein, seine Sünden bekennen? Genügt es nicht, Gott im Gebet um Verzeihung zu bitten?
Hinter solchen Fragen steht oft die Scham, die eigenen Fehler, Schwächen und Verfehlungen vor einem anderen Menschen offenzulegen. Es wäre allerding nicht gut, wenn wir bei dieser menschlich durchaus verständlichen Reaktion stehen blieben. Denn damit würden wir verkennen, welch wunderbares Geschenk Jesus Christus der Kirche im Sakrament der Versöhnung anvertraut hat.
Menschen machen nun einmal Fehler. Sie laden früher oder später Schuld auf sich, mitunter schwere Schuld. In einigen Fällen können sie diese Schuld wieder gut machen, in anderen Fällen nicht. Darüber hinaus gibt es Schuld, die wir uns selbst nicht vergeben können oder die uns diejenigen, an denen wir schuldig geworden sind, nicht vergeben können oder wollen. Die Schuld lastet auf der Beziehung zu uns selbst, zum Nächsten und zu Gott.
Grundsätzlich wollen wir Versöhnung und Frieden, wollen wir bessere Menschen werden. Aber dann ist uns doch wieder vieles andere wichtiger. Wenn es darum geht, über den eigenen Schatten zu springen, regen sich innere Widerstände. Dabei könnte gerade die regelmäßige Beichte ein wunderbares Mittel sein, um Versöhnung und Heilung zu empfangen sowie um an unserem Charakter zu arbeiten und in der Fähigkeit zu lieben, Fortschritte zu machen. Dafür muss man sein Leben im Licht der Heiligen Schrift beobachten und ungeschönt zur Sprache bringen. Das kostet etwas Überwindung, aber es lohnt sich: Wer zum Sakrament der Versöhnung hintritt, der begegnet dabei nicht zuerst einem Kirchenvertreter; er begegnet vielmehr Jesus Christus, seinem Herrn und Heiland, der ihn wie ein barmherziger Vater in seine Arme nimmt und dessen Liebe im Angesicht des Sünders die Gestalt der Vergebung annimmt.
