Zum goldenen Priesterjubiläum

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Goldenes Priesterjubiläum, 10. Juli 2016, in Kist

Liebe versammelte Festgemeinde, lieber Jubilar Pater Leo!

Eucharistomen! Mit diesem Wort lässt sich auf den Punkt bringen, warum wir heute hier zusammengekommen sind. „Eucharistomen“ ist griechisch und bedeutet: „Wir danken“. Wir danken für 50 volle Priesterjahre, für 50 Jahre priesterlichen Dienst im Weinberg des Herrn! Wir danken für ein ganzes halbes Jahrhundert: Für die jüngeren Semester unter uns eine halbe Ewigkeit; aber auch die nicht mehr so jungen Semester unter uns, kennen vermutlich nur einen ganz kleinen Ausschnitt daraus.

Wenn ich könnte, würde ich jetzt einige markante Szenen und Stationen aus deinem Priesterleben filmisch vorführen. Doch heute muss uns das geistige Auge genügen!

(1) In einer ersten Szene sehe ich Leo als Schüler, wie er in seiner Gymnasialzeit im Konvikt St. Valentin im Schatten des Würzburger Franziskaner-Minoritenklosters oft und gern mit seinen Kollegen den Ball tritt. Wer Pater Leo kennt, weiß: er hat viel für den Fußball übrig. Ein Fußballstar oder gar Fußballgott zu werden – davon hat Leo, nach allem was ich weiß, allerdings nicht geträumt. Das wäre ihm wahrscheinlich auch zu wenig gewesen. Der kleine Leo wollte höher hinaus, er fühlte sich zu Größerem berufen. Und es muss noch vor seinem Abitur im Jahr 1959 gewesen sein, als er sich dazu entschied, ins Noviziat zu gehen, um Franziskaner und Priester zu werden.

(2) In einer zweiten Szene stelle ich mir Pater Leo als jungen Franziskaner vor, wie mit der Schultasche unter dem Arm, beschwingten Schritts zur Uni eilt. Er ist schon knapp dran, die Vorlesungen der heiligen Theologie haben schon fast begonnen. Damals kündigen sich in Kirche und Theologie große Umwälzungen und Reformen an. Es ist die Zeit des großen Konzils. Tausende Bischöfe haben sich in Rom in den Gemächern des Vatikan versammelt, um über die Kirche in der Welt von heute zu beraten – ein Konzil, welches das Antlitz Kirche nachhaltig verändern sollte! Ob unser junger Franziskaner damals auch nur leise geahnt haben kann, dass ihn sein Lebensweg einmal selbst für lange Jahre in die ewige Stadt Rom führen sollte?

(3) Ich drehe wieder ein wenig am Rad der Geschichte. Wir schreiben das Jahr 1966. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Pater Leo als Neupriester bei seiner Heimatprimiz in Floß in der Oberpfalz. Es ist ein sonniger Julitag, das ganze Dorf auf den Füßen, in die Gesichter von Groß und Klein ist festliche Freude geschrieben. Die kaum zu überblickende Festprozession zieht, geleitet von der Blasmusikkapelle in Richtung Pfarrkirche, wo Pater Leo zum ersten Mal in seinem Leben dem Gottesdienst vorstehen wird, zum ersten Mal in der Person Christi des Hauptes der Kirche handeln wird. Dieser Tag wird sich unauslöschlich in sein Gedächtnis einprägen!

(4) Wie geht´s weiter? Nach der Priesterweihe wirkt Pater Leo zunächst als Kaplan und dann als Pfarrer in Scheinfeld. Die jungen Burschen und mindestens so sehr die jungen Damen haben großen Respekt vor diesem großgewachsenen Jungpriester mit dem sonoren Bass. Sie haben jedoch nicht nur Respekt, sie schätzen vor allem seine väterliche Art. Die Seelsorge erfüllt Pater Leo mit viel Freude. Die Jahre vergehen wie im Flug und er hätte sich gut und gerne vorstellen können, noch viel länger als Pfarrer für die Menschen dazu zu sein.

(5) Aber da – und das ist schon die nächste Kameraeinstellung – ereilt ihm Jahr 1977 (völlig unerwartet!) der Ruf des Provinzkapitels, ins Würzburger Kloster zurückzukehren. Er wird gebraucht, gebraucht als Verantwortlicher für die franziskanische Priesterausbildung. Es folgen über zwölf Jahre in diesem Amt – nicht mehr an der vordersten Seelsorgefront, sondern im Hintergrund für personelle Zukunft der Provinz Sorge tragend. In dieser Zeit wird Pater Leo dann auch mit der Leitung des Würzburger Konvents, des größten in der Provinz, betraut; ein Amt, das er neun Jahre lang ausüben wird.

(6) Wer denkt, dass sei bereits alles oder fast alles gewesen, der täuscht sich! Vor gut zwanzig Jahren, im Jahr 1995, ereilt Pater Leo wieder der Ruf Gottes. Diesmal in die ewige Stadt Rom – er soll dem Orden als Generalassistent dienen. Dort wird er im Herzen der Weltkirche mit großen Persönlichkeiten, Bischöfen, Kardinälen, ja sogar Päpsten verkehren. Vor allem aber wird er seinen Beitrag zu Leitung des Weltordens leisten.

(7) Auch diese Zeit vergeht im Nu. Im Alter von 69 Jahren, wenn ich richtig gerechnet habe, kehrt Pater Leo zurück in die Provinz. Nicht, um seinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten, wie man meinen könnte. Nein, die Brüder haben ihn am Provinzkapitel dazu auserkoren, die Geschicke der Deutschen Franziskaner-Minoritenprovinz zu lenken. Sie haben ihn als Provinzialminister erwählt. Auch diese verantwortungsvolle Aufgabe übernimmt Pater Leo mit großer Selbstverständlichkeit.

(8) Einige Zeit, nachdem er sich eingearbeitet hat, meldet sich in ihm freilich eine alte Sehnsucht: nicht die Sehnsucht zum Fußballspielen, nein, es ist die Sehnsucht, dort anzuknüpfen, wo er begonnen hat: als einfacher Priester für die Menschen da zu sein. Und so übernimmt er die Pfarrseelsorge in den Gemeinden Kist und Reichenberg. Den Rest dieser Ära, die sich nun leider dem Ende zuneigt, kennen Sie (vermutlich viel besser als ich).

Lieber Pater Leo, du hast in den vergangen 50 Jahren vielfältige und verschiedene Funktionen in Provinz und Kirche ausgefüllt. Wenn wir fragen, was dein Tun beseelt hat, all dem seine innere Form gegeben hat, kann die Antwort zweifellos nur lauten: dein Franziskaner- und Priestersein. Aber was bedeutet das eigentlich, Priester zu sein?

Der Priester steht an exponierter Stelle. Kraft seines Amtes ist er aus dem Gottesvolk herausgehoben. Alle schauen auf ihn, er selbst aber will nicht gesehen werden. Er möchte vielmehr den sichtbar zu machen, in dessen Dienst er getreten ist: Jesus Christus, den guten Hirten. Ihm verleiht er seine Stimme, wenn er das Wort Gottes verkündet, ihm leiht er sein Ohr, wenn er die Sorgen und Nöte der Menschen anhört, seine Hände leiht er ihm, wenn er Segen spendet und am Aufbau des Reiches Gottes arbeitet, seine Füße, wenn er auf die Menschen, die ihn brauchen, zugeht.

Der Priester steht an der Stelle Jesu. Seine Stellung ist Gabe und sie Aufgabe. Aufgabe, an der der Priester gemessen wird. Wer Priester ist, muss den beherzten Versuch wagen, zu leben, wie er, Jesus der Herr, gelebt hat. Sofern der Priester an der Stelle Jesu steht und in seinem Namen handelt, ist er mehr als ein Schriftgelehrter, der nur gelehrt über Gott spricht (wie der im heutigen Evangelium). Er ist auch mehr als Kultdiener oder Gottesdienstleiter, wie der Priester und der Levit im heutigen Evangelium. Und er ist schließlich mehr als ein Kirchenfunktionär, dem es vor allem darum geht, dass der Laden läuft.

Der Priester steht an der Stelle Jeus. Er ist dazu bestimmt, Gott selbst zu bringen, er ist dazu bestimmt Bote der Freude zu sein. Keiner vergänglichen und oberflächlichen Freude wie nach einem siegreichen Fußballspiel der Nationalmannschaft, sondern einer Freude, die nicht von dieser Welt ist, die aus dem Leben mit Gott kommt und unser Leben hell und froh macht. Der Priester steht an der Stelle Jesu, des Bräutigams, des Freudenboten. Und so kann er jedem und jeder (in der Gemeinde) zurufen: „So wie sich der Bräutigam freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich!“

Lieber Pater Leo! Eucharistomen! Wir sagen Dank! Deshalb feiern wir heute gemeinsam mit dir Eucharistie – Danksagung. Wir sagen Dank für all das Gute, das Gott in 50 Priesterjahren durch dich gewirkt hat! Dabei schauen auf den, dem aller Dank und aller Lobpreis gebührt: den, der uns in seinem Wort nahe ist (wie wir in der ersten Lesung gehört haben), der mit seiner ganzen Fülle in Christus und seiner Kirche wohnt (wie wir in der zweiten Lesung gehört haben), auf den, der Großes an dir und an uns tut. Möge er dir noch viele segensreiche Jahre als Priester schenken!

Ad multus annos! Gott segne Dich, Pater Leo! Amen.

 

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