Ist der Glaube an Gott mit ernsten Zweifeln an seiner Existenz vereinbar?

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Zuerst veröffentlicht unter dem Titel: »Ist der Glaube an Gott mit ernsten Zweifeln an seiner Existenz vereinbar?« In: Der Sendbote des Heiligen Antonius, 3/2013, S. 42

Der religiöse Glaube scheint bestimmte Überzeugungen in Bezug auf Gott und sein Verhältnis zum Menschen zu beinhalten. Schließlich muss man ja, um auf Gott vertrauen zu können, von seiner Existenz, Güte u. a. m. überzeugt sein. Nicht wenige Zeitgenossen zweifeln freilich daran, ob sich religiöse Überzeugungen überzeugend begründen und damit als rational erweisen lassen. Es fragt sich: Ist der Glaube mit einer skeptischen Einstellung vereinbar?

Eine von vielen Wissenschaftlern akzeptierte erkenntnistheoretische Maxime besagt, dass wir dann rational sind, wenn wir unsere Überzeugungen den verfügbaren Belegen und Argumenten anpassen. Angewandt auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen der Gottesglaube beanspruchen kann, rational zu sein, bedeutet dies: An Gott zu glauben ist genau dann rational, wenn wir uns dabei auf Belege und Argumente stützen können, die es hinreichend wahrscheinlich machen, dass Gott existiert.

Derartige Argumente für die Existenz Gottes, früher etwas missverständlich auch „Gottesbeweise“ genannt, werden in der Philosophie und Theologie intensiv diskutiert. Bis heute. Allerdings gibt es in der Fachwelt keinen Konsens darüber, wie überzeugend diese Argumente letztlich sind.

Ich arbeite gegenwärtig an einem religionsphilosophischen Beitrag, in dem ich mir folgende Frage stelle: Geht es eigentlich auch ohne durchschlagende Argumente? Muss jemand, der ein intellektuell redlicher Mensch sein will, sich aber nicht mehr sicher ist, ob es rundum überzeugende Argumente für die Existenz Gottes gibt, sich des Glaubens enthalten, oder darf er weiterhin am Glauben an Gott festhalten?

Ich glaube, er kann und darf weiterhin am Glauben festhalben. Der Glaube lässt sich nämlich in zweifacher Weise verstehen. Zum einen so, dass er sich inhaltlich auf Überzeugungen stützt; zum anderen auch so, dass er sich auf kognitive Einstellungen des Vertrauens, dass etwas der Fall ist, stützt. Diese Unterscheidung ist wenig geläufig, macht aber einen Unterschied in Bezug auf die Frage der Rationalität des Glaubens.

Es sei versucht, die an einem Beispiel zu verdeutlichen: Peter muss sich einer Operation unterziehen. Die Ärzte können ihm nicht garantieren, dass die Operation erfolgreich verlaufen wird; die Chancen dazu liegen, so sagen sie, nur um die 50 Prozent. Peter könnte nun trotz allem überzeugt sein, dass die Operation gut gehen würde. Das Problem ist: Diese Überzeugung wäre nicht rational, wäre sie doch durch die verfügbaren Belege nicht gedeckt.

Anders verhält es sich in dem Fall, dass Peter darauf vertraut, dass die Operation letztlich erfolgreich verlaufen wird. Dieses Vertrauen muss sich zwar auch auf entsprechende Belege stützen können, um rational zu sein. Diese müssen Peters Option aber nicht unbedingt wahrscheinlicher machen als ihr Gegenteil. Es genügt, dass die Aussicht auf Genesung nicht verhältnismäßig unwahrscheinlich erscheint.

Was ergibt sich aus diesen Überlegungen für die Frage, ob es rational sein kann, an Gott zu glauben, obwohl man sich nicht sicher ist, ob Gott überhaupt existiert? In meinem oben erwähnten Beitrag gebe ich folgende Antwort: Auch einem Menschen, der sich nicht sicher ist, ob Gott nun existiert oder nicht – einem Zweifler, Skeptiker oder Agnostiker –, steht oft genug die Tür des Glaubens offen. Man muss nicht einigermaßen zweifelsfrei von Gottes Existenz überzeugt sein, um ein intellektuell redlicher Glaubender sein zu können. Es genügt, wenn man, auf ernstzunehmende Belege und Argumente gestützt, darauf vertraut, dass Gott existiert.

P. Dominikus Kraschl OFM

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