Hochzeit zu Kana

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C
(bezugnehmend auf Joh 2,1-11 = Hochzeit zu Kana)
Mit Jesus auf einer Hochzeit
Wir werden heute vom Evangelium mitten in eine Hochzeitsgesellschaft zu einem Hochzeitsmahl geführt. Das besondere an diesem Hochzeitsmahl ist, dass Jesus und seine Mutter Maria zu den Gästen gehören. Jesus und Maria als Hochzeitsgäste – eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung! Aber nicht nur das: Eine Hochzeit wird für Jesus zum Anlass, sein erstes Wunder zu wirken. Eigentlich ist nicht von einem Wunder, sondern von einem Zeichen die Rede; von einem Zeichen, das Jesu Herrlichkeit offenbart. Aber dazu später.
Hoch-Zeit als Vorgeschmack
Wir befinden uns also auf einer Hochzeit. Ich wäre neugierig, wieviele unter uns schon einmal eine Hochzeit organisiert haben. Eingeladen waren vermutlich die meisten von uns schon einmal oder mehrmals. Nun muss man wissen: Im Orient dauert eine Hochzeit für gewöhnlich eine ganze Woche. Der Alltag wird unterbrochen, durch eine herausgehobene Zeit. Eine Zeit des zweckfreien Daseins und unbeschwerter Lebensfreude.
Hochzeit ist ein Bild erfüllten Lebens. Ein Vorgeschmack des Himmels. Wir sehnen uns nach so einer Zeit. Nach einer Hoch-Zeit. Nicht umsonst hat Jesus den Himmel mit einem Hochzeitsmahl verglichen.
Soweit so gut. Das heißt: eigentlich nicht so gut. Das Hochzeitsmahl im Evangelium steuert auf ein regelrechtes Desaster zu. Warum? Der Wein ist ausgegangen. Das Fest hat kaum seinen Höhepunkt erreicht und droht für das Brautpaar zur Blamage zu werden. Man stelle sich vor wie peinlich: Auf der von dir organisierten Hochzeit geht der Wein aus. Woher zu dieser fortgeschrittenen Stunde eine so große Menge Wein bekommen?
Das Auf und Ab des Lebens
Auch das ist ein Bild für unser Leben: In der Kindheit und Jugend (und manchmal darüber hinaus) beginnt sehr verheißungsvoll. Wir setzen große Hoffnungen in unser Leben. Wir haben große Pläne für die Zukunft, doch es kommt ganz anders. Irgendwann müssen wir uns eingestehen, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern. Der Wein – Sinnbild der Lebensfreude – ist ausgegangen. Unser Lebensweg scheint noch und nöcher mit Ernüchterungen und Enttäuschungen gepflastert zu sein. Die Zuversicht der Jugend schwindet und Traurigkeit, wenn nicht gar Bitterkeit macht sich breit. Kennst du diese Erfahrung?
Glück im Unglück
Die Brautleute im Evangelium haben Glück im Unglück. Sie haben gut daran getan Jesus und seine Mutter Maria zur Hochzeit einzuladen. Und das, ohne das Geheimnis Jesu wirklich zu kennen – seine Stunde war nämlich noch nicht gekommen. Jesu Mutter ist es, die die Situation durchschaut und sich vertrauenssvoll an ihren Sohn wendet. Sie kennt sein Geheimnis und weiß, dass er helfen kann. Sie ist, die an die Diener appelliert: „Was er euch sagt das tut!“
In unserer Misere können wir Glück oder Unglück haben. Glück haben wir, wenn es in unserer Nähe einen Menschen gibt der wir wie Maria das Geheimnis Jesu kennt und uns ans Herz legt: „Was er dir sagt das tue! Du wirst es nicht bereuen! Er kann dein Leben verändern.“
Während meiner Schulzeit als ich noch auf der Suche nach der Wahrheit meines Lebens war, hatte ich das Glück, dass einer meiner Klassenkollegen Jesus schon kennengelernt hatte. Sein Glaube faszinierte mich, und ohne ihn hätte ich mich vielleicht nicht auf Jesus eingelassen.
Vielleicht haben Sie schon einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht. Vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall ruft Maria uns zu: „Tue einfach, was er dir sagt!“ Denn das eigentliche Wunder, das er wirken will, ist nicht, Wasser in Wein zu verwandeln, sondern unser Leben zu verwandeln. Der Wein der Freude und der Zuversicht soll wieder fließen.
Wein in Wasser verwandeln
Manchmal aber verwandelt Jesus nicht nur Wasser in Wein, sondern auch Wein in Wasser. Vor einigen Tagen war in Morzg das Begräbnis des legendären „Schuhputzer Erich“. Vielleicht hat der eine oder andere ihn gekannt. Das Leben dieses Salzburger Originals war viele Jahre lang eine einzige Katastrophe. Er gehörte zu den stadtbekannten Alkoholikern. Wie viele seiner Kumpels hatte er im laufe seiner Jahre elendiglich am Alkohol zugrunde gehen sehen. Auch sein Schicksal schien vorherbestimmt, doch es geschah ein Wunder. Eines Tages – sein regelmäßiger Kontakt mit einem der Franziskanerbrüder mag dabei eine Rolle gespielt haben – hörte er schlagartig mit dem Trinken auf er sagte sich: „Wenn es Gott gibt und wenn er mir helfen kann, dann kann ich es schaffen.“ Und er schaffte es. Seit diesem Tag hatte er nie wieder einen Tropfen getrunken – außer Wasser natürlich. Der Schuhputzer Erich hatte ein ganz neues Leben begonnen. Jesus hat den Wein in Wasser verwandelt. Kein geringeres Wunder als das im Evangelium geschilderte. Für Schuhputzer Erich war dieser neue Anfang ein Wunder, ein Zeichen durch das Jesus ihn seine Herrlichkeit gezeigt hat.
Zwei Fragen
Jesus will auch in deinem Leben seine Herrlichkeit offenbaren. Zwei Fragen bleiben für uns: Werde ich die Krüge mit Wasser füllen – werde ich tun, was er mir sagt, auch wenn ich es noch nicht verstehe? Und: Im Evangelium heißt es: „Und seine Jünger glaubten an ihn.“ Werde ich die Zeichen, die er in meinem Leben wirkt, erkennen und an ihn glauben?
Er gebe uns die Kraft dazu. Amen.
